Zwischen Wildnis und menschlicher Kulturlandschaft

Raubtiere in Europa leben schon lange nicht mehr in endlos weiten Gebieten, die von keiner menschlichen Seele betreten werden. Bären und Wölfe existieren in den meisten europäischen Gebieten in einer sehr kleinstrukturierten Landschaft, die in vielen Teilen von Menschen verändert wurde: Stichwort Kulturlandschaft. Ist das für Wildtiere gut oder schlecht? Passen gerade Raubtiere in die von uns Menschen gemachte Kulturlandschaft, oder schließt sich das vollständig aus? Viele Fragen und viele individuelle Antworten unserer besenderten Tiere: Begleiten Sie mich in die faszinierende Welt der Wildtierforschung, die so wichtig ist. Was wir kennen, können wir besser schützen, und Kulturlandschaft muss nicht immer Raubtiere ausschließen. Aber: Ein gutes, auf Daten basierendes Management kann ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier erleichtern, muss aber manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen, wie die Entfernung von auffälligen Individuen!

Der Fokus in meiner Arbeit

In meiner Arbeit fokussiere ich auf die bemerkenswerten Anpassungen, die Bär und Wolf in der Kulturlandschaft zeigen. Damit sind sie nicht alleine: Viele Wildtiere haben durch die menschliche Präsenz und Aktivität große Vorteile. Die meisten Menschen haben schon einmal Rehe beobachtet, die in unseren Gärten nach etwas Fressbarem suchen. Manchmal schützen sich auch potenzielle Beutetiere beim Menschen vor Fressfeinden - das nennt man die Ausnutzung des "menschlichen Schutzschildes" (human shield).

Raubtiere passen sich schneller an veränderte Umwelten an, als wir oft wahrnehmen. Doch wenn diese opportunistischen Tiere näher an den Menschen heranrücken, entstehen Konflikte. Manche der Anpassungen sind wenig gefährlich, beispielsweise, wenn Bären im Maisfeld fressen, auch wenn sie dabei wirtschaftlichen Schaden anrichten. Kommen sie aber in unsere Gärten und stehlen dort Äpfel, Birnen, Pflaumen und Co., müssen wir darauf reagieren. 

Es ist ein feiner Grad, der aus einem eigentlich nur an uns gewöhnten Tier ein Problem werden lässt. Das gilt es besser zu verstehen - auch, wie wir solche Situationen in Zukunft vermeiden können. 

Pragmatische Ansätze: lokal verstehen und gemeinsam handeln

Können Menschen und Raubtiere im gleichen Gebiet leben? Ja, das geht. Aber ist es immer eine "friedliche Koexistenz"? Nein, bedauerlicherweise nicht. Und gibt es allgemein gültige "Tipps und Tricks", wie Mensch und Raubtier besser auskommen? Leider nicht, auch wenn es ähnliche Ansätze gibt, die wir ausprobieren können.

Es ist mir essenziell wichtig, keine pauschalen Lösungen zu präsentieren, sondern Ängste, Nöte und spezifische Situationen der Menschen genau zu erfassen. Ich sehe das Raubtier niemals isoliert, sondern immer im Kontext des menschlichen Zusammenlebens. Nur so können wir Akzeptanz für nicht-auffällige Wölfe und Bären schaffen und vermeiden, dass wir Schwierigkeiten herunterspielen und so die Situation vor Ort verschärfen.

Raubtiere ohne Vorurteile: Forschung statt Fanatismus

Meine Arbeit mit Wölfen und Bären führt oft zu Vorurteilen – man wird schnell als "Raubtierfanatikerin" abgestempelt. Doch ich bin weder pro noch contra Wolf und Bär. Meine Aufgabe ist es, diese Tiere wertfrei zu erforschen und ihr Verhalten zu verstehen, ohne jemandem Wölfe und Bären aufzuzwingen. Eine solche Haltung kann der Reputation der Raubtiere eher schaden. Im Gegenteil: Ich habe größten Respekt vor der unendlich wichtigen und oft beschwerlichen Arbeit der Schäfer und Schäferinnen und weiß, welche Herausforderungen jeder Tag draußen im Feld mit Bären und Wölfen birgt. 

Aber: Es gibt auch ganz fantastische und sehr unproblematische Zeitgenossen, wie den Bären Tom auf dem Bild, den wir 2014 gefangen und besendert haben. Er ließ Weidetiere in Ruhe, obwohl man ihn am Schafbetrieb kannte. Und das ist doch auch eine gute Nachricht. 

Ein ganz heißes Eisen: Herdenschutzhunde

Leider ist Herdenschutz und vor allen Dingen der Herdenschutzhund mindestens genauso ideologisiert wie die Raubtiere selbst. Entweder heißt es, der Herdenschutzhund sei eine Erfindung der Naturschutzverbände, oder aber, der Herdenschutzhund wäre ein Allheilmittel und somit bräuchte man keinen Wolfsabschuss.

Weidetierbetriebe in Osteuropa und Eurasien arbeiten oft mit Hunden, da sie sich auf die großen Wächter verlassen. Allerdings sind es Vollerwerbsbetriebe und die Hunde sind immer in Kombination mit einem Hirten. Die Einheit Hund - Weidetiere - Hirten draußen auf der Weide zu sehen, ist immer wieder ein schönes Erlebnis.

Aber, die Raubtiere werden immer wieder versuchen, ob es irgendwelche Schwachstellen gibt. Somit stimmt es nicht, dass mit Hunden nie etwas passieren würde, aber die Verluste gehen massiv zurück. Manchmal gibt es trotzdem sehr wagemutige Bären und Wölfe, die sich auch von mehreren Hunden nicht abhalten lassen, und die Weidetiere anzugreifen.

Somit ist der Hund keine Garantie, dass man niemals mehr Raubtiere entfernen muss. Aber die Hunde können tolle Arbeit leisten, was man ebenfalls anerkennen sollte. Also wird es Gebiete geben, in denen Hunde gut arbeiten können und manche Landschaften, in denen es schwierig wird. Es braucht also auch in der Hundefrage mehr Pragmatismus und lokalere Lösungen. 

Raubtierexkursionen in die Slowakei: um was geht es?

Die Lokalität auf dem Bild ist bei Slovenská Ľupča - ein kleines Dorf mit einer Burg, und dort leben sehr viele Bären. Gerade im Herbst kommen sie des Nachts aus den Wäldern und laben sich an den Früchten der vielen, freistehenden Obstbäume. Am Tag ist Ruhe und wir Menschen können dort spazieren gehen. So wie auch ich jeden Tag mit meinen beiden Hunden, die auf dem Bild zu sehen sind.

Glauben Sie nicht? Doch, es gibt solche Regionen in der Slowakei, in denen Mensch und Raubtiere irgendwie miteinander auskommen. Nachts würde ich zwar nicht auf die Burg steigen, aber am Tag braucht man sich nicht zu fürchten.

Dann gibt es aber Regionen mit  Maisfeldern, und dort kommt es zu großen Konflikten, wenn Bären die reifen Stauden plündern. Wie nahe die Bären oft sind, aber ohne, dass man sie sieht, ist immer wieder erstaunlich.

Was machen die Wölfe? Wie jagen sie und welche Strecken müssen sie oft zurücklegen, damit sie eine Chance haben, auf Beute zu stoßen? Wie sieht ein idealer Platz aus, um Welpen aufzuziehen, und wie funktioniert das Zusammenleben mit den Schäfern? Was haben die Schäfer für Hunde und wie schwer wird es für sie, wenn zu viele Erholungssuchende in den Wäldern herumstreifen und die Hunde verwirren.

Die Fachexkursionen in die Slowakei widmen sich insbesondere Wölfen, Bären, ihren Interaktionen mit Menschen und den Schäfereien. Die Reisen können als Fortbildung für sämtliche Menschen dienen, die im Naturschutz, im Forst oder der Jagd tätig sind. Sie sind aber auch für alle Menschen geeignet, die sich für Wölfe, Bären und die wunderbare Natur in der Slowakei interessieren. Schauen Sie gerne nach dem Programm und freien Terminen! 

Fundiertes Wissen für alle: wer von meiner Expertise profitiert

Meine Arbeit und Expertise sind für viele Menschengruppen wertvoll und interessant, wie etwa für Fachleute aus dem Naturschutz und im Wildtiermanagement, die sich weiterbilden und auf Erfahrungswerte zurückgreifen möchten. Ebenso profitieren Jäger und Jägerinnen, sowie Förster und Försterinnen von meinen langjährig gesammelten Daten. Nicht zuletzt ist es für jeden Menschen, der sich neutral und fundiert über Wölfe und Bären informieren möchte, unerlässlich. In Zeiten, in denen soziale Netzwerke von nicht-validierten Meinungen dominiert werden, die Raubtiere entweder glorifizieren oder verteufeln, biete ich eine faktenbasierte Perspektive, die die wahre Individualität dieser faszinierenden Tiere hervorhebt.