
Wie alles begann.....
Da saß er nun - müde und verzweifelt. Mitten auf einem, mit einer dünnen Schneeschicht bedeckten Maisfeld. Irgendwo hinter dem Dorf Očova, am Fuße der Bergregion Poľana - mitten im Herzen der Slowakei.
Das ist der Bär Albin und er war unser erster Telemetriekandidat. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner der Anwesenden ahnen, wie berühmt "Albin" einmal werden und welche Forschung er anstoßen würde. Auch Slavo und ich nicht. Uns tat er leid, der arme Bär, der mit seinem Kopf in einem Metallkübel feststeckte, ohne Chance, sein Haupt wieder herauszubekommen. Es war der 1. März 2007, ein Frühjahrstag nach einem sehr kalten Winter. Wahrscheinlich war Albin einer der ersten Bären, die langsam aus ihrem Winterschlaf aufstanden, um wieder am Leben teilzunehmen. Die vielen Spuren auf dem Schnee deuteten an, woher er gekommen war.
Im Kübel befand sich eine ölige Substanz, auf die er es wahrscheinlich abgesehen hatte.......
Wir konnten Albin aus seiner misslichen Lage heraushelfen. Zusammen mit einigen Waldarbeitern schnitten wir den Metallkübel auf und befreiten den armen Kerl aus seiner Zwangslage. Damals gab es kein offizielles Bärenprojekt, aber wir wollten unbedingt wissen, was dieser Bär machen würde. Also legten wir dem jungen Männchen ein Sendehalsband an, das eigentlich für Rothirsche gedacht war.
Was wir dann alles mit Albin erleben durften, zeigte uns ganz eindeutig: Wir brauchen mehr Daten und vor allen Dingen sollten wir Bären mit Sendehalsbädern ausstatten, um sie besser zu verstehen.
Bär-Mensch-Interaktionen
Das ist mein erstes Bärenbuch, gefördert von der Andrea-von-Braun-Stiftung. Dieses Buch enthält neben der berührenden Geschichte von Albin eine große Menge an Wissen über allgemeine Bärenbiologie, die Geschichte der Bären in der Slowakei und die Bär-Mensch-Interaktionen. Der slawischen Mythologie wurde ein großes Kapitel gewidmet. Dieser Glaube ist oft unbekannt, aber sieht die Welt mit Kinderaugen und alles Lebendige hat eine Seele. Der Bär und insbesondere die Bärin haben eine sehr wichtige Rolle in dieser Mythologie. Man sprach der Bärin gar lebensspendende Kräfte zu und in manchen Völkern galt sie als Mutter der Menschheit. Das Buch ist eine interessante Lektüre für alle, die sich für Bären und die Menschen in der Slowakei interessieren.
Mein aktuelles Buch:
In diesem Buch habe ich vielen unserer besenderten Bären einen Platz gegeben. Die einzelnen Kapitel sind individuellen Bären gewidmet, die sich durch ganz besondere Verhaltensweisen ausgezeichnet haben: der Wildschweinjäger Adriano und die Speisekarte des Bären, der zurückgezogene Mischo, die Bärin Suska und ihr verzweifelter Versuch, eine stark befahrene Straße zu überqueren, aber auch der auffällige Peppino, der einem Kindergarten zu nahe kam und dann in ein anderes Gebiet umgesiedelt wurde, was sehr unglücklich endete.
Das Buch zeigt alle Aspekte der Bären: vom "Vorzeigetier", das versteckt lebt und wirklich unseren Schutz braucht, bis hin zu schwierigen Dorfbären, die nicht mehr in Freiheit belassen werden können. Ich berichte von unseren abenteuerlichen Anfängen in der Bärenforschung und den vielen tollen Helfern im Feld, aber auch von Bärenattacken auf Menschen und wie wir draußen im Bärengebiet vermeiden sollten, auf einen Bären zu treffen.
Am Schluss kommt noch ein Kapitel zu meinem Forschungsaufenthalt im Tiroler Oberland - einem touristisch sehr stark genutztem Gebiet - und der Frage, ob wir wirklich überall Bären haben können. Das Buch endet mit dem unglaublich interessanten Bären Tom, der zwar an der Schafweide sichtbar war, aber niemals Weidetiere angegriffen hat. Für solche Bären arbeite ich, für Tiere, die unauffällig sind und die in unserer immer mehr genutzten und durch Straßen zerschnittenen Welt Schwierigkeiten haben, einen Rückzugsort zu finden.
Dieses Buch ist eine Hommage an alle unsere besenderten Bären und die Menschen, die ich dabei kennenlernen durfte. Es wirft aber auch die berechtigte Frage auf, ob wir überall Bären haben können und ob es nicht viel wichtiger wäre, in den jetzigen Verbreitungsgebieten näher hinzuschauen und ihre Zukunft zu sichern.
Warum ist der Bär ein Botschafter des Waldes? Er steht stellvertretend für viele andere Wildtiere, die wir Menschen leider oft stören und erschrecken. Der Bär ist der Einzige, der uns eine Konsequenz entgegensetzt. Aber: Brauchen wir eine wirkliche Gefahr, um wieder etwas umsichtiger zu sein, oder reicht uns ein imaginärer Bär im Wald, damit wir uns rücksichtsvoller verhalten? Durch größere Vorsicht wäre vielen Lebewesen dadurch geholfen